Schemata
Zurückbehaltungsrecht
§ 273 BGBZurückbehaltungsrecht des S gegenüber G gem. § 273 BGB
- I. Fälliger Anspruch des Gläubigers gegen den Schuldner
Der Gläubiger muss einen fälligen, durchsetzbaren Anspruch gegen den Schuldner haben, dessen Erfüllung der Schuldner verweigern will.
- II. Gegenanspruch des Schuldners gegen den Gläubiger
- 1. Bestehen eines eigenen Anspruchs des Schuldners
Der Schuldner muss seinerseits einen fälligen, klagbaren Anspruch gegen den Gläubiger haben; bloße Einreden oder Gestaltungsrechte genügen nicht.
- 2. Fälligkeit des Gegenanspruchs
Der Gegenanspruch muss im Zeitpunkt der Geltendmachung des Zurückbehaltungsrechts fällig sein (§ 271 BGB); eine Stundung schließt das Zurückbehaltungsrecht aus.
- 3. Konnexität (Konnexitätserfordernis)
Anspruch und Gegenanspruch müssen auf demselben rechtlichen Verhältnis beruhen (§ 273 Abs. 1 BGB). Ein einheitliches Lebensverhältnis genügt; ein synallagmatischer Zusammenhang ist nicht erforderlich. Str.: Nach h.M. reicht ein wirtschaftlich-tatsächlicher Zusammenhang; a.A. verlangt einen rechtlichen Zusammenhang im engeren Sinne.
- 4. Ausnahme: § 273 Abs. 2 BGB (Sachen)
Bei Ansprüchen auf Herausgabe oder Leistung einer Sache besteht das Zurückbehaltungsrecht auch ohne Konnexität, sofern der Gegenanspruch auf Verwendungsersatz oder Schadensersatz wegen der Sache gerichtet ist.
- III. Kein Ausschluss des Zurückbehaltungsrechts
- 1. Kein vertraglicher oder gesetzlicher Ausschluss
Das Zurückbehaltungsrecht ist ausgeschlossen, wenn der Schuldner zur sofortigen Leistung verpflichtet ist (z.B. durch Vereinbarung, § 273 Abs. 3 BGB) oder wenn ein gesetzlicher Ausschluss eingreift (z.B. §§ 570, 972 BGB).
- 2. Kein Ausschluss wegen Natur des Schuldverhältnisses
Das Zurückbehaltungsrecht scheidet aus, wenn es mit dem Inhalt des Schuldverhältnisses unvereinbar ist (z.B. bei höchstpersönlichen Leistungspflichten).
- 3. Kein Ausschluss durch Sicherheitsleistung (§ 273 Abs. 3 BGB)
Der Gläubiger kann das Zurückbehaltungsrecht durch Sicherheitsleistung abwenden; in diesem Fall entfällt das Leistungsverweigerungsrecht des Schuldners.
- IV. Rechtsfolge
Der Schuldner kann die Leistung bis zur Bewirkung der Gegenleistung verweigern; das Gericht verurteilt den Schuldner zur Leistung Zug um Zug gegen Erfüllung des Gegenanspruchs (§ 274 BGB).
- 2. Kein dauerhaftes Leistungsverweigerungsrecht
Das Zurückbehaltungsrecht gewährt nur ein dilatorisches (aufschiebendes) Leistungsverweigerungsrecht, kein peremptorisches (dauerhaftes) Recht.
- 3. Abwendung durch Sicherheitsleistung
Der Gläubiger kann das Zurückbehaltungsrecht durch Sicherheitsleistung gem. § 273 Abs. 3 BGB abwenden.