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Bürgschaft

§§ 765 ff. BGB

Anspruch des Gläubigers gegen den Bürgen auf Zahlung aus § 765 I BGB

  • I. Wirksamer Bürgschaftsvertrag
    • 1. Angebot und Annahme (§§ 145 ff. BGB)
    • 2. Bürgschaftserklärung des Bürgen

      Einseitig verpflichtende Erklärung des Bürgen, für die Verbindlichkeit eines Dritten (Hauptschuldner) gegenüber dem Gläubiger einzustehen, § 765 I BGB.

    • 3. Schriftform (§ 766 BGB)

      Die Bürgschaftserklärung bedarf der schriftlichen Form (§ 126 BGB); Heilung durch vollständige Erfüllung der Hauptverbindlichkeit möglich, § 766 S. 3 BGB. Kaufleute sind gem. § 350 HGB von der Formvorschrift befreit.

    • 4. Keine Wirksamkeitshindernisse
      • a. Geschäftsfähigkeit (§§ 104 ff. BGB)
      • b. Anfechtbarkeit (§§ 119 ff. BGB)
      • c. Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB)

        Bürgschaft finanziell krass überforderter, emotional abhängiger Personen (insb. Familienangehörige) kann sittenwidrig sein, wenn der Bürge kein eigenes wirtschaftliches Interesse hat; st. Rspr. BGH.

      • d. AGB-Kontrolle (§§ 305 ff. BGB)

        Bei formularmäßiger Bürgschaft Prüfung insb. auf unangemessene Benachteiligung gem. § 307 BGB, z.B. Verzicht auf Einrede der Vorausklage oder Erstreckung auf künftige Verbindlichkeiten.

  • II. Bestehen einer wirksamen Hauptverbindlichkeit (Akzessorietät)

    Die Bürgschaft ist akzessorisch: Sie setzt eine bestehende, wirksame und fällige Forderung des Gläubigers gegen den Hauptschuldner voraus, § 767 I 1 BGB. Fehlt die Hauptschuld, entsteht keine Bürgenhaftung.

    • 1. Entstehung der Hauptforderung
    • 2. Bestimmtheit oder Bestimmbarkeit der verbürgten Forderung

      Die Hauptverbindlichkeit muss im Bürgschaftsvertrag hinreichend bestimmt oder bestimmbar bezeichnet sein; bei Höchstbetragsbürgschaft ist der Haftungsrahmen zu begrenzen.

    • 3. Keine Einwendungen gegen die Hauptforderung

      Der Bürge kann gem. § 768 I BGB alle Einwendungen des Hauptschuldners geltend machen, die diesem zustehen; er verliert sie nicht durch Verzicht des Hauptschuldners, § 768 II BGB.

  • III. Fälligkeit der Bürgenschuld

    Die Bürgenschuld wird fällig, wenn die Hauptforderung fällig ist und der Gläubiger den Bürgen in Anspruch nimmt.

  • IV. Einreden des Bürgen
    • 1. Einrede der Vorausklage (§ 771 BGB)

      Der Bürge kann die Befriedigung verweigern, solange der Gläubiger nicht erfolglos die Zwangsvollstreckung gegen den Hauptschuldner versucht hat. Entfällt bei selbstschuldnerischer Bürgschaft (§ 773 I Nr. 1 BGB) oder Insolvenz des Hauptschuldners (§ 773 I Nr. 3 BGB).

    • 2. Einrede der Anfechtbarkeit und Aufrechenbarkeit (§ 770 BGB)

      Der Bürge kann die Befriedigung verweigern, solange dem Hauptschuldner das Recht zusteht, das seiner Verbindlichkeit zugrunde liegende Rechtsgeschäft anzufechten (§ 770 I BGB) oder mit einer fälligen Gegenforderung aufzurechnen (§ 770 II BGB).

    • 3. Einreden aus der Hauptschuld (§ 768 BGB)

      Vgl. oben II. 3.; der Bürge kann alle dem Hauptschuldner zustehenden Einwendungen und Einreden erheben.

    • 4. Einrede der Verjährung (§§ 214, 768 BGB)

      Der Bürge kann die Verjährungseinrede sowohl hinsichtlich der Hauptforderung als auch hinsichtlich der Bürgschaftsforderung selbst erheben.

  • V. Umfang der Bürgenhaftung (§ 767 BGB)

    Die Bürgschaft erstreckt sich auf die jeweilige Hauptverbindlichkeit einschließlich ihrer Nebenfolgen (Zinsen, Vertragsstrafen, Schadensersatz), § 767 I 1 BGB. Eine Erweiterung der Hauptschuld nach Übernahme der Bürgschaft geht zu Lasten des Bürgen nur, soweit sie nicht auf einem Rechtsgeschäft des Hauptschuldners beruht, § 767 I 3 BGB.

  • VI. Rechtsfolge: Rückgriffsrecht des Bürgen
    • 1. Gesetzlicher Forderungsübergang (§ 774 I BGB)

      Soweit der Bürge den Gläubiger befriedigt, geht die Forderung des Gläubigers gegen den Hauptschuldner kraft Gesetzes auf den Bürgen über (cessio legis); der Bürge tritt in die Gläubigerstellung ein.

    • 2. Aufwendungsersatz (§§ 675, 670 BGB bzw. § 1835 BGB analog)

      Im Innenverhältnis kann der Bürge vom Hauptschuldner Ersatz seiner Aufwendungen verlangen, wenn die Bürgschaft im Auftrag oder Interesse des Hauptschuldners übernommen wurde.

    • 3. Gesamtschuldnerausgleich bei Mitbürgen (§ 769, 426 BGB)

      Mehrere Bürgen haften als Gesamtschuldner (§ 769 BGB); Ausgleich nach § 426 BGB.

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