Schemata
Plangewährleistungsanspruch
richterrechtlichPlangewährleistungsanspruch – Anspruch auf Schadensersatz oder Anpassungsentschädigung wegen enttäuschten Vertrauens in den Fortbestand staatlicher Planungen (richterrechtlich, entwickelt aus Art. 14 GG, Rechtsstaatsprinzip Art. 20 III GG, Treu und Glauben)
- A. Anspruchsvoraussetzungen
- I. Bestehen einer staatlichen Planung
Eine verbindliche oder zumindest hinreichend konkretisierte staatliche Planung (z. B. Bebauungsplan, Fachplan, Infrastrukturplanung) muss gegenüber dem Anspruchsteller ergangen oder bekanntgemacht worden sein.
- II. Schutzwürdiges Vertrauen des Betroffenen
Die Planung muss beim Betroffenen einen objektiv begründeten Vertrauenstatbestand geschaffen haben; maßgeblich ist, ob ein verständiger Dritter in der Lage des Betroffenen auf den Fortbestand der Planung vertrauen durfte.
Der Betroffene muss im Vertrauen auf den Fortbestand der Planung Vermögensdispositionen getroffen haben (z. B. Investitionen, Grundstückserwerb, Betriebsaufbau).
- 3. Schutzwürdigkeit des Vertrauens
Das Vertrauen ist schutzwürdig, wenn keine Umstände vorlagen, die den Betroffenen zur Vorsicht hätten veranlassen müssen (keine Kenntnis oder grob fahrlässige Unkenntnis von der bevorstehenden Planänderung).
- 4. Kausalität zwischen Vertrauensbetätigung und Schaden
Die Vermögensdisposition muss adäquat kausal auf dem Vertrauen in den Planfortbestand beruhen.
- III. Planänderung oder Planaufhebung
Die staatliche Planung muss nachträglich geändert, aufgehoben oder nicht verwirklicht worden sein, sodass das betätigte Vertrauen enttäuscht wird.
- IV. Zurechenbarkeit der Planänderung
Die Planänderung muss dem planenden Träger öffentlicher Gewalt zurechenbar sein; rein faktische Veränderungen ohne hoheitlichen Akt genügen grundsätzlich nicht.
- V. Kein Ausschluss des Anspruchs
- 1. Kein Vorrang anderer Entschädigungsregelungen
Spezialgesetzliche Entschädigungsregelungen (z. B. § 39 BauGB für Planungsschäden, § 42 BauGB für Wertminderungen) gehen dem richterrechtlichen Plangewährleistungsanspruch vor (Subsidiarität).
- 2. Kein Mitverschulden (§ 254 BGB analog)
Ein anspruchsminderndes oder -ausschließendes Mitverschulden des Betroffenen ist zu prüfen, insbesondere wenn er das Risiko der Planänderung erkennbar hätte einkalkulieren müssen.
- B. Rechtsfolge
- I. Grundsatz: Vertrauensschadensersatz
Der Anspruch ist auf Ersatz des negativen Interesses gerichtet: Der Betroffene ist so zu stellen, als hätte er die Vermögensdisposition nicht getätigt (Vertrauensschaden, nicht Erfüllungsinteresse).
- II. Abgrenzung: Anpassungsentschädigung
In Fällen, in denen eine vollständige Rückabwicklung nicht möglich oder zumutbar ist, kann der Anspruch auf eine billige Entschädigung für die notwendige Anpassung an die geänderte Planung gerichtet sein (h.M.).
- III. Kein Anspruch auf Planfortbestand
Ein Anspruch auf Beibehaltung der ursprünglichen Planung besteht grundsätzlich nicht; die Planungshoheit des Trägers öffentlicher Gewalt bleibt unberührt (BVerwGE st. Rspr.).
- C. Geltendmachung / Prozessuales
- I. Verwaltungsrechtsweg
§ 40 I 1 VwGO: Der Anspruch ist öffentlich-rechtlicher Natur, da er aus dem Vertrauen in hoheitliche Planungen erwächst; der Verwaltungsrechtsweg ist eröffnet.
- II. Statthafte Klageart
Allgemeine Leistungsklage auf Zahlung von Schadensersatz bzw. Entschädigung; kein Verwaltungsakt ergeht, sodass die Anfechtungsklage nicht statthaft ist.
- III. Klagebefugnis
Analog § 42 II VwGO: Der Kläger muss geltend machen, möglicherweise in seinem durch Art. 14 GG und das Rechtsstaatsprinzip geschützten Vertrauen verletzt zu sein.
- IV. Verjährung
Mangels spezialgesetzlicher Regelung gelten die allgemeinen zivilrechtlichen Verjährungsvorschriften analog (§§ 195, 199 BGB); Regelverjährung drei Jahre ab Kenntnis.