Definitionen
Tatbestandsirrtum
§ 16 I StGB · StrafrechtEin Tatbestandsirrtum liegt vor, wenn der Täter bei Begehung der Tat einen Umstand nicht kennt, der zum gesetzlichen Tatbestand gehört; er handelt dann nicht vorsätzlich und schließt damit die Strafbarkeit wegen vorsätzlicher Begehung aus, lässt jedoch eine Fahrlässigkeitsstrafbarkeit unberührt.
Entscheidend ist nicht irgendein Irrtum, sondern fehlendes Wissen über einen Tatbestandsumstand.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
Jäger Karl sieht in der Dämmerung eine Gestalt und hält sie für ein Wildschwein. Er schießt auf die Gestalt, um das vermeintliche Tier zu töten. 2Tatsächlich steht dort der Spaziergänger Paul, der durch den Schuss stirbt. 1Bei der Schussabgabe weiß Karl nicht, dass er auf einen Menschen schießt.
Trifft „Tatbestandsirrtum“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltUnkenntnis eines Umstands bei TatbegehungKarl weiß während seiner Handlung nicht, dass sein Ziel ein Mensch ist.
- 2erfülltUmstand gehört zum gesetzlichen TatbestandDass das Opfer ein Mensch ist, gehört zum Tatbestand des Totschlags.
Karl will seinen Nachbarn Paul töten. Er zielt auf einen Menschen, den er für Paul hält, und schießt, um ihn zu töten. Der Getroffene stirbt; tatsächlich ist es Pauls Bruder Max. 1Bei der Schussabgabe kennt Karl dessen wirkliche Identität nicht.
Trifft „Tatbestandsirrtum“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltUnkenntnis eines Umstands bei TatbegehungKarl kennt während seiner Handlung die tatsächliche Identität des Getroffenen nicht.
- 2fehltUmstand gehört zum gesetzlichen TatbestandDie persönliche Identität des Opfers gehört nicht zum Tatbestand des Totschlags.
Typische Fehler
FehlerJede Verwechslung zweier Menschen wird als vorsatzausschließender Irrtum behandelt.
RichtigDie bloße Verwechslung zweier Menschen schließt den Tötungsvorsatz nicht aus, weil ihre persönliche Identität kein Tatbestandsmerkmal ist.
FehlerAus dem fehlenden Vorsatz wird automatisch vollständige Straflosigkeit gefolgert.
RichtigEine Bestrafung wegen fahrlässiger Begehung bleibt möglich, wenn das Gesetz sie vorsieht und ihre Voraussetzungen erfüllt sind.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
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