Schemata
Rücktritt bei mehreren Beteiligten
§ 24 II StGBStraffreiheit des Tatbeteiligten gem. § 24 II StGB (Rücktritt bei mehreren Beteiligten)
- I. Anwendbarkeit des § 24 II StGB
§ 24 II StGB gilt für alle Tatbeteiligten außer dem Alleintäter; erfasst Mittäter (§ 25 II StGB), Anstifter (§ 26 StGB) und Gehilfen (§ 27 StGB).
- II. Vorliegen einer Tat i.S.d. § 24 II StGB
Der unmittelbare Ansatz zur Tatbestandsverwirklichung muss begonnen haben (§ 22 StGB); vor Versuchsbeginn genügt bloßes Aufgeben der Beteiligung.
- 2. Noch nicht vollendete Tat
Die Tat darf noch nicht vollendet sein; nach Vollendung ist Rücktritt ausgeschlossen, allenfalls tätige Reue möglich.
- III. Rücktrittsvoraussetzungen des § 24 II StGB
- 1. Freiwilligkeit
Der Rücktritt muss auf einem autonomen Willensentschluss beruhen; unfreiwillig ist er, wenn der Beteiligte aufgrund äußerer Hindernisse oder Entdeckungsfurcht aufgibt (h.M.: normativ-psychologische Betrachtung).
- 2. Verhinderung der Tatvollendung (§ 24 II 1 Alt. 1 StGB)
- a. Grundvoraussetzung
Der Beteiligte muss aktiv und kausal die Vollendung der Tat verhindern; bloßes Aufgeben des eigenen Tatbeitrags genügt nicht.
Der Beitrag des Zurücktretenden muss conditio sine qua non für das Ausbleiben der Vollendung sein; h.M. verlangt adäquate Kausalität.
- c. Vollständige Verhinderung
Die Tat darf nicht vollendet werden; tritt Vollendung dennoch ein, scheidet Rücktritt nach § 24 II 1 Alt. 1 StGB aus.
- 3. Ernsthaftes Bemühen bei ausbleibender Vollendung ohne Zutun (§ 24 II 2 StGB)
- a. Voraussetzung: Tat wird ohne Zutun des Zurücktretenden nicht vollendet
Die Vollendung bleibt aus, ohne dass der Beitrag des Zurücktretenden hierfür kausal ist; die Privilegierung des § 24 II 2 StGB greift nur in diesem Fall.
- b. Ernsthaftes Bemühen um Verhinderung
Der Beteiligte muss sich freiwillig und ernsthaft um die Verhinderung der Vollendung bemühen; bloße Passivität oder halbherzige Maßnahmen genügen nicht (h.M.).
- c. Abgrenzung zu § 24 II 1 Alt. 1 StGB
§ 24 II 2 StGB ist subsidiär; er greift nur, wenn Kausalität des Verhinderungsbeitrags fehlt, die Vollendung aber gleichwohl ausbleibt.
- 4. Sonderfall: Mittäter
- a. Zurechnung des Tatbeitrags
Im Rahmen der Mittäterschaft werden Tatbeiträge wechselseitig zugerechnet; der Rücktretende muss daher auch die Wirkung der Beiträge der anderen Mittäter neutralisieren.
- b. Anforderungen an die Verhinderungshandlung
Der zurücktretende Mittäter muss seinen eigenen Beitrag rückgängig machen und sicherstellen, dass die Tat insgesamt nicht vollendet wird; bloßes Distanzieren genügt nicht.
- c. Ernsthaftes Bemühen bei Mittäterschaft
Bleibt die Vollendung ohne sein Zutun aus, genügt ernsthaftes Bemühen auch beim Mittäter (§ 24 II 2 StGB analog h.M.).
- 5. Sonderfall: Anstifter und Gehilfe
- a. Anstifter (§ 26 StGB)
Der Anstifter muss den durch seine Anstiftung hervorgerufenen Tatentschluss des Haupttäters beseitigen oder die Vollendung anderweitig verhindern; bloßes Abraten genügt regelmäßig nicht.
- b. Gehilfe (§ 27 StGB)
Der Gehilfe muss seinen Tatbeitrag neutralisieren; ist dies nicht möglich, muss er die Vollendung durch andere Maßnahmen verhindern oder sich ernsthaft darum bemühen.
- IV. Rechtsfolge
Bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 24 II StGB wird der Beteiligte wegen des Versuchs nicht bestraft; die Straffreiheit gilt nur für den zurücktretenden Beteiligten, nicht für die übrigen.