Definitionen
Bestimmtheitsgebot
Art. 20 Abs. 3 GG · Öffentliches RechtDas Bestimmtheitsgebot verlangt, dass Rechtsnormen und behördliche Maßnahmen so klar und präzise gefasst sind, dass der Adressat sein Verhalten danach ausrichten kann und die Verwaltung keinen unkontrollierten Spielraum erhält. Es folgt aus dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG); für Verordnungsermächtigungen verlangt Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG zusätzlich, dass Inhalt, Zweck und Ausmaß der Ermächtigung im Gesetz bestimmt sind.
Bestimmtheit schützt vor unvorhersehbaren Anforderungen und unkontrollierten Verwaltungsentscheidungen.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
Eine städtische Satzung schreibt Hundehaltern vor, ihre Hunde auf dem umzäunten Gelände des Stadtparks an einer höchstens zwei Meter langen Leine zu führen. Die Satzung sieht keine Ausnahmen vor.
Trifft „Bestimmtheitsgebot“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltRechtsnorm oder behördliche MaßnahmeDie städtische Satzung ist eine Rechtsnorm.
- 2erfülltHinreichende Klarheit für Verhaltensorientierung und VerwaltungskontrollePersonenkreis, Ort und gefordertes Verhalten stehen fest und lassen der Stadt keinen freien Entscheidungsspielraum.
1Eine städtische Satzung verlangt von Hundehaltern, ihre Hunde im Stadtpark so zu führen, wie die Stadt es im Einzelfall für richtig hält. Sie enthält keine weiteren Vorgaben zur Führung der Hunde und keine Kriterien für die Entscheidung der Stadt.
Trifft „Bestimmtheitsgebot“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltRechtsnorm oder behördliche MaßnahmeDie städtische Satzung ist eine Rechtsnorm.
- 2fehltHinreichende Klarheit für Verhaltensorientierung und VerwaltungskontrolleDie Hundehalter können das verlangte Verhalten nicht erkennen, und für die Entscheidung der Stadt fehlen überprüfbare Maßstäbe.
Typische Fehler
FehlerEs wird nur geprüft, ob Betroffene ihr Verhalten an der Regelung ausrichten können.
RichtigZusätzlich ist zu prüfen, ob die Regelung unkontrollierte Entscheidungsspielräume der Verwaltung ausschließt.
FehlerDas Bestimmtheitsgebot wird mit einem Verbot aller unbestimmten Rechtsbegriffe gleichgesetzt.
RichtigAuslegungsbedürftige Begriffe sind zulässig, wenn ihr Inhalt hinreichend sicher ermittelt werden kann und dadurch Verhaltensorientierung und Verwaltungskontrolle möglich bleiben.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
6 Schemata