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Anfechtung wegen Inhaltsirrtums

§ 119 Abs. 1 Alt. 1 BGB · Zivilrecht

Ein Inhaltsirrtum i.S.d. § 119 Abs. 1 Alt. 1 BGB liegt vor, wenn der Erklärende zwar weiß, was er erklärt, sich aber über die rechtliche Bedeutung oder den rechtlichen Inhalt seiner Erklärung irrt, d.h. er legt seiner Erklärung einen anderen Sinn bei, als sie objektiv hat. Die Anfechtung ist nur möglich, wenn anzunehmen ist, dass der Erklärende die Erklärung bei Kenntnis der Sachlage und verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben hätte (Kausalität des Irrtums).

Merksatz

Die bewusste Wortwahl schließt einen Irrtum über die Bedeutung der Erklärung nicht aus.

Inhaltsirrtum oder Erklärungsirrtum?Die Gegenüberstellung zeigt, ob der Fehler die Bedeutung der bewusst gewählten Erklärung oder bereits ihre Formulierung betrifft.
Inhaltsirrtum
Erklärungsirrtum
Erklärungszeichen
Die verwendeten Worte oder Zeichen sind bewusst gewählt.
Andere Worte oder Zeichen werden verwendet als gewollt.
Fehlerquelle
Der Erklärende versteht den Sinn seiner Erklärung falsch.
Der Erklärende verspricht, verschreibt oder vergreift sich.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

Lea braucht für eine einmalige Reparatur genau 24 Schrauben und hat für weitere Schrauben keine Verwendung. 1Sie schreibt einem Händler bewusst: „Ich bestelle zwei Gros Schrauben zum Stückpreis von einem Euro.“ 2Lea meint mit „Gros“ zwölf Stück, während der Ausdruck im Handel 144 Stück bezeichnet. 3Hätte sie die tatsächliche Stückzahl und den Gesamtpreis von 288 Euro gekannt, hätte sie die Bestellung nicht aufgegeben.

Trifft „Anfechtung wegen Inhaltsirrtums“ hier zu?

„Anfechtung wegen Inhaltsirrtums“ trifft zu.Alle 3 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Bewusst gewählte Erklärung
    Lea verwendet genau die Worte, die sie verwenden will.
    erfüllt
  2. 2
    Abweichung zwischen vorgestelltem und objektivem Sinn
    Lea versteht ihre Bestellung als Bestellung von 24 statt objektiv 288 Schrauben.
    erfüllt
  3. 3
    Ursächlichkeit bei verständiger Würdigung
    Ohne das Missverständnis hätte Lea die auch bei verständiger Bewertung für sie unbrauchbare Mehrmenge nicht bestellt.
    erfüllt
BFall B

Leas Tischlerei verbraucht jeden Monat mehr als tausend Schrauben. 1Sie schreibt einem Händler bewusst: „Ich bestelle zwei Gros Schrauben zum Stückpreis von einem Euro.“ 2Lea meint mit „Gros“ zwölf Stück, während der Ausdruck im Handel 144 Stück bezeichnet. Auch mit Kenntnis der tatsächlichen Stückzahl und des Gesamtpreises von 288 Euro hätte sie dieselbe Bestellung aufgegeben, weil sie die Schrauben ohnehin bald verbraucht.

Trifft „Anfechtung wegen Inhaltsirrtums“ hier zu?

„Anfechtung wegen Inhaltsirrtums“ trifft nicht zu.Es fehlt: Ursächlichkeit bei verständiger Würdigung

An der Definition geprüft

  1. 1
    Bewusst gewählte Erklärung
    Lea hat sich weder verschrieben noch versehentlich andere Worte verwendet.
    erfüllt
  2. 2
    Abweichung zwischen vorgestelltem und objektivem Sinn
    Leas Vorstellung von der bestellten Menge weicht vom objektiven Inhalt ihrer Bestellung ab.
    erfüllt
  3. 3
    Ursächlichkeit bei verständiger Würdigung
    Lea hätte dieselbe Bestellung auch ohne das Missverständnis aufgegeben.
    fehlt

Typische Fehler

Verwechslung

FehlerEin versehentliches Verschreiben wird als Inhaltsirrtum eingeordnet.

RichtigBeim Inhaltsirrtum ist die gewählte Erklärung gewollt; der Fehler betrifft ihren Sinn und nicht ihre äußere Formulierung.

Voraussetzung vergessen

FehlerAus dem Bedeutungsirrtum wird ohne Prüfung seiner Ursächlichkeit auf die Anfechtbarkeit geschlossen.

RichtigZusätzlich ist zu prüfen, ob die Erklärung bei richtiger Kenntnis und verständiger Bewertung unterblieben wäre.

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