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Willkürformel

Art. 3 Abs. 1 GG · Öffentliches Recht

Die Willkürformel bezeichnet den verfassungsrechtlichen Prüfungsmaßstab des allgemeinen Gleichheitssatzes, wonach eine staatliche Maßnahme gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstößt, wenn sie sich für die vorgenommene Differenzierung oder Gleichbehandlung kein vernünftiger, aus der Natur der Sache folgender oder sonst einleuchtender Grund finden lässt, die Regelung also als schlechthin willkürlich erscheint.

Merksatz

Nicht jede Ungleichbehandlung ist willkürlich; entscheidend ist, ob sie sich sachlich begründen lässt.

Willkürformel oder neue Formel?Die Willkürformel ist weniger streng als die neue Formel. Heute richtet sich die Kontrolldichte stufenlos nach Regelungsgegenstand und Differenzierungsmerkmal.
Willkürformel
Neue Formel
Kontrolldichte
Beschränkung auf eine Willkürkontrolle.
Strengere, an der Verhältnismäßigkeit orientierte Kontrolle.
Rechtfertigungsgrund
Ein vernünftiger, sachlich einleuchtender Grund genügt.
Unterschiede müssen nach Art und Gewicht die Ungleichbehandlung rechtfertigen.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

1Eine Stadt regelt die Benutzung ihrer beiden benachbarten, gleich großen und gleich ausgestatteten Säle für private Feiern durch eine Gebührenordnung. 2Eine Stunde kostet in Saal 1 20 Euro und in Saal 2 30 Euro. 3Beide Säle sind gleich gefragt und verursachen bei gleicher Nutzung dieselben Kosten. Der Stadtrat begründet den Preisunterschied allein damit, dass ihm die Nummer 2 nicht gefällt.

Trifft „Willkürformel“ hier zu?

„Willkürformel“ trifft zu.Alle 3 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Staatliche Maßnahme
    Die Stadt legt als staatlicher Träger die Gebühren für die Nutzung ihrer Säle fest.
    erfüllt
  2. 2
    Differenzierung oder Gleichbehandlung
    Die Stadt verlangt für vergleichbare Nutzungen unterschiedlich hohe Gebühren.
    erfüllt
  3. 3
    Fehlen eines vernünftigen oder sonst einleuchtenden Grundes
    Bei gleicher Ausstattung, Nachfrage und gleichen Kosten rechtfertigt die bloße Abneigung gegen eine Raumnummer den Gebührenunterschied nicht.
    erfüllt
BFall B

1Eine Stadt regelt die Benutzung ihrer beiden gleich großen Säle für private Feiern durch eine Gebührenordnung. 2Eine Stunde kostet in Saal 1 20 Euro und in Saal 2 30 Euro. Saal 2 hat eine bessere technische Ausstattung, deren Bereitstellung die Stadt pro Stunde zusätzlich 10 Euro kostet. Der Preisunterschied deckt genau diese zusätzlichen Kosten.

Trifft „Willkürformel“ hier zu?

„Willkürformel“ trifft nicht zu.Es fehlt: Fehlen eines vernünftigen oder sonst einleuchtenden Grundes

An der Definition geprüft

  1. 1
    Staatliche Maßnahme
    Die Stadt legt als staatlicher Träger die Gebühren für die Nutzung ihrer Säle fest.
    erfüllt
  2. 2
    Differenzierung oder Gleichbehandlung
    Die Stadt verlangt für die Nutzung der beiden Säle unterschiedlich hohe Gebühren.
    erfüllt
  3. 3
    Fehlen eines vernünftigen oder sonst einleuchtenden Grundes
    Die zusätzlichen Ausstattungskosten erklären den genau entsprechenden Gebührenunterschied sachlich.
    fehlt

Typische Fehler

Voraussetzung vergessen

FehlerEin Verstoß wird nur angenommen, wenn die handelnden Personen bewusst willkürlich vorgehen wollten.

RichtigEntscheidend ist die objektive sachliche Begründbarkeit der Behandlung; eine persönliche Willkürabsicht ist nicht erforderlich.

Voraussetzung vergessen

FehlerDie Willkürformel wird ausschließlich auf Ungleichbehandlungen angewendet.

RichtigAuch die sachlich nicht begründbare Gleichbehandlung wesentlich ungleicher Sachverhalte kann gegen den allgemeinen Gleichheitssatz verstoßen.

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