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Freie Kündigung

§ 648 BGB · Zivilrecht

Der Besteller eines Werkvertrags kann den Vertrag gemäß § 648 BGB jederzeit bis zur Vollendung des Werkes ohne Angabe von Gründen kündigen; der Unternehmer behält in diesem Fall seinen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung, muss sich jedoch ersparte Aufwendungen sowie anderweitig erzielte oder böswillig unterlassene Erwerbe anrechnen lassen.

Merksatz

Die freie Kündigung ermöglicht den Ausstieg ohne Kündigungsgrund, aber nicht automatisch ohne Kosten.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

1Lena vereinbart mit einer Fahrradwerkstatt, ihr Fahrrad für 200 Euro zu reparieren. 3Noch bevor alle vereinbarten Arbeiten erledigt sind, 2erhält die Werkstatt von Lena die Nachricht: „Ich beende den Reparaturauftrag ab sofort.“ Einen Grund nennt Lena nicht.

Trifft „Freie Kündigung“ hier zu?

„Freie Kündigung“ trifft zu.Alle 3 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Bestehender Werkvertrag
    Die entgeltliche Reparatur ist ein Werkvertrag, weil die Werkstatt einen bestimmten Arbeitserfolg schuldet.
    erfüllt
  2. 2
    Kündigungserklärung des Bestellers
    Lena hat die Reparatur bestellt und erklärt gegenüber der Werkstatt eindeutig die Vertragsbeendigung.
    erfüllt
  3. 3
    Erklärung bis zur Vollendung des Werkes
    Bei Zugang der Erklärung ist die geschuldete Reparatur noch nicht vollständig ausgeführt.
    erfüllt
BFall B

1Lena vereinbart mit einer Fahrradwerkstatt, ihr Fahrrad für 200 Euro zu reparieren. Die Werkstatt hat alle vereinbarten Arbeiten vollständig und fehlerfrei erledigt; das Fahrrad steht noch zur Abholung bereit. Anschließend 2erhält die Werkstatt von Lena die Nachricht: „Ich beende den Reparaturauftrag ab sofort.“ Einen Grund nennt Lena nicht.

Trifft „Freie Kündigung“ hier zu?

„Freie Kündigung“ trifft nicht zu.Es fehlt: Erklärung bis zur Vollendung des Werkes

An der Definition geprüft

  1. 1
    Bestehender Werkvertrag
    Die entgeltliche Reparatur ist ein Werkvertrag, weil die Werkstatt einen bestimmten Arbeitserfolg schuldet.
    erfüllt
  2. 2
    Kündigungserklärung des Bestellers
    Lena erklärt als Bestellerin die Vertragsbeendigung, auch wenn diese Erklärung hier keine freie Kündigung mehr bewirkt.
    erfüllt
  3. 3
    Erklärung bis zur Vollendung des Werkes
    Die Reparatur ist bei Zugang der Erklärung bereits vollständig abgeschlossen.
    fehlt

Typische Fehler

Rechtsfolge falsch

FehlerNach der Kündigung werden stets fünf Prozent der gesamten vereinbarten Vergütung zugesprochen.

RichtigDie Fünfprozentvermutung betrifft nur den Vergütungsanteil für noch nicht erbrachte Leistungen und legt keinen festen Endbetrag fest.

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