Definitionen
Frank'sche Formel
§ 15 StGB · StrafrechtDie Frank'sche Formel ist eine Methode zur Feststellung des bedingten Vorsatzes: Der Täter handelt mit dolus eventualis, wenn er sich sagt 'Mag die Tatbestandsverwirklichung eintreten oder nicht, ich handle in jedem Fall', d.h. er billigt den Erfolgseintritt innerlich, anstatt ernsthaft darauf zu vertrauen, dass er ausbleibt.
Entscheidend ist nicht allein die erkannte Gefahr, sondern die innere Haltung zum möglichen Erfolg.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
Mara wirft einen schweren Stein über eine Hecke, hinter der ein fremdes Auto parkt. 1Sie hält es für möglich, dass der Stein eine Scheibe des Autos zerstört. 2Das nimmt sie hin, weil sie den Stein schnell loswerden will. Der Stein zerstört eine Autoscheibe.
Trifft „Frank'sche Formel“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltErfolgseintritt als möglich erkanntMara erkennt, dass ihr Wurf das fremde Auto beschädigen kann.
- 2erfülltBilligung statt ernsthaften Vertrauens auf das AusbleibenSie findet sich mit der möglichen Beschädigung ab, um den Stein loszuwerden.
Mara wirft einen schweren Stein über eine Hecke, hinter der ein fremdes Auto parkt. 1Sie hält es für möglich, dass der Stein eine Scheibe des Autos zerstört. Weil sie neben dem Auto eine große freie Fläche gesehen hat, vertraut sie aber fest darauf, dass der Stein dort landet und das Auto unbeschädigt bleibt. Der Stein zerstört eine Autoscheibe.
Trifft „Frank'sche Formel“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltErfolgseintritt als möglich erkanntAuch hier erkennt Mara die Möglichkeit einer Beschädigung.
- 2fehltBilligung statt ernsthaften Vertrauens auf das AusbleibenMara vertraut ernsthaft auf einen schadensfreien Ausgang, statt sich mit der Beschädigung abzufinden.
Typische Fehler
FehlerFür bedingten Vorsatz wird verlangt, dass der Täter den Erfolg wünscht oder gutheißt.
RichtigDer Erfolg darf dem Täter unerwünscht sein; es genügt, dass er sich mit seinem möglichen Eintritt abfindet.
FehlerJede Hoffnung auf einen guten Ausgang wird als bewusste Fahrlässigkeit eingeordnet.
RichtigFür bewusste Fahrlässigkeit genügt bloßes Hoffen nicht; erforderlich ist ernsthaftes Vertrauen auf das Ausbleiben des Erfolgs.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema