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Fakultative Strafmilderung

§ 49 StGB · Strafrecht

Die fakultative Strafmilderung bezeichnet die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit des Gerichts, den Strafrahmen nach § 49 Abs. 1 oder Abs. 2 StGB zu mildern, ohne hierzu verpflichtet zu sein; die Entscheidung steht im pflichtgemäßen Ermessen des Gerichts, das die Milderung vornehmen kann, aber nicht muss. Sie ist von der obligatorischen Strafmilderung abzugrenzen, bei der das Gesetz die Milderung zwingend vorschreibt.

Merksatz

Die gesetzliche Milderungsmöglichkeit bedeutet noch keine Pflicht, den Strafrahmen tatsächlich zu senken.

Wann darf und wann muss gemildert werden?Entscheidend ist, ob das Gesetz die Milderung nur ermöglicht oder zwingend verlangt.
Fakultative Strafmilderung
Obligatorische Strafmilderung
Gesetzliche Anordnung
Das Gesetz eröffnet eine Milderungsmöglichkeit.
Das Gesetz ordnet die Milderung zwingend an.
Rolle des Gerichts
Ob gemildert wird, steht im pflichtgemäßen Ermessen.
Das Gericht muss mildern.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

1Anna sticht mit einem Messer in Richtung von Bens Brust, um ihn zu töten. 2Ben weicht aus, entwaffnet Anna und hält sie fest, bis die Polizei eintrifft.

Trifft „Fakultative Strafmilderung“ hier zu?

„Fakultative Strafmilderung“ trifft zu.Alle 2 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Gesetzliche Grundlage für eine Strafrahmenmilderung
    Für den begonnenen Tötungsversuch eröffnet § 23 Abs. 2 StGB eine Milderung nach § 49 Abs. 1 StGB.
    erfüllt
  2. 2
    Ermessen statt Milderungspflicht
    Die Milderung wegen des Versuchs steht im pflichtgemäßen Ermessen des Gerichts.
    erfüllt
BFall B

1Clara leiht David auf dessen Bitte ein Messer und weiß dabei, dass er damit Emil töten will. David tötet Emil mit dem Messer. Clara ist bei der Tötung nicht anwesend und hat auf Planung und Ablauf keinen Einfluss.

Trifft „Fakultative Strafmilderung“ hier zu?

„Fakultative Strafmilderung“ trifft nicht zu.Es fehlt: Ermessen statt Milderungspflicht

An der Definition geprüft

  1. 1
    Gesetzliche Grundlage für eine Strafrahmenmilderung
    Für Claras Beihilfe sieht § 27 Abs. 2 Satz 2 StGB eine Milderung nach § 49 Abs. 1 StGB vor.
    erfüllt
  2. 2
    Ermessen statt Milderungspflicht
    Bei Beihilfe ist die Milderung gesetzlich vorgeschrieben; über ihr Ob entscheidet das Gericht nicht nach Ermessen.
    fehlt

Typische Fehler

Verwechslung

FehlerSchon eine niedrigere Einzelstrafe innerhalb des unveränderten Strafrahmens wird als fakultative Strafmilderung nach § 49 StGB eingeordnet.

RichtigGemeint ist eine gesetzlich eröffnete Änderung des Strafrahmens; eine niedrigere Einzelstrafe innerhalb desselben Rahmens genügt nicht.

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