Definitionen
Vorsatz-Fahrlässigkeits-Kombination
§ 18 StGB · StrafrechtEine Vorsatz-Fahrlässigkeits-Kombination liegt vor, wenn ein Tatbestand hinsichtlich der Grundhandlung Vorsatz und hinsichtlich einer qualifizierenden Folge wenigstens Fahrlässigkeit verlangt (sog. erfolgsqualifizierte Delikte); der Täter muss die Grundtat vorsätzlich begehen, während die schwere Folge nach § 18 StGB wenigstens fahrlässig herbeigeführt sein muss. Verlangt der Tatbestand Leichtfertigkeit, genügt einfache Fahrlässigkeit nicht.
Die Vorsätzlichkeit der Grundtat ersetzt nicht die erforderliche Fahrlässigkeit hinsichtlich der schweren Folge.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
1Max tritt Paul absichtlich mit voller Kraft in den Bauch, um ihn zu verletzen. 3Max kennt die Lebensgefahr solcher Tritte, vertraut aber fest darauf, dass Paul überlebt. 2Paul stirbt an den dadurch entstandenen inneren Verletzungen.
Trifft „Vorsatz-Fahrlässigkeits-Kombination“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltVorsätzliche GrundtatMax begeht die Körperverletzung vorsätzlich.
- 2erfülltQualifizierende FolgeDer durch die Körperverletzung verursachte Tod ist die strafschärfende Folge des § 227 StGB.
- 3erfülltErforderlicher FahrlässigkeitsgradMax handelt hinsichtlich des Todes bewusst fahrlässig, was für § 227 StGB ausreicht.
1Max kneift Paul absichtlich in den Oberarm, um ihm Schmerzen zuzufügen, und verursacht einen kleinen Bluterguss. Paul hat einen bis dahin weltweit unbekannten Gendefekt, durch den schon dieser Bluterguss eine tödliche Reaktion auslöst. 2Paul stirbt daran. Paul hatte vorher keine Beschwerden, und Max kennt keine Erkrankung Pauls.
Trifft „Vorsatz-Fahrlässigkeits-Kombination“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltVorsätzliche GrundtatMax fügt Paul vorsätzlich eine Körperverletzung zu.
- 2erfülltQualifizierende FolgeDie Körperverletzung verursacht Pauls Tod und damit die für § 227 StGB maßgebliche besondere Folge.
- 3fehltErforderlicher FahrlässigkeitsgradDer tödliche Verlauf war weder allgemein noch nach Max’ persönlichen Kenntnissen vorhersehbar.
Typische Fehler
FehlerVorsatz hinsichtlich der schweren Folge wird als Ausschlussgrund für die Anwendung des § 18 StGB behandelt.
Richtig§ 18 StGB bestimmt eine Mindestanforderung und schließt vorsätzliches Herbeiführen der schweren Folge nicht aus.
FehlerBei jedem erfolgsqualifizierten Delikt wird einfache Fahrlässigkeit hinsichtlich der schweren Folge für ausreichend gehalten.
RichtigFordert der jeweilige Tatbestand Leichtfertigkeit, reicht einfache Fahrlässigkeit hinsichtlich der schweren Folge nicht aus.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
2 Schemata