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Voraus

§ 1932 BGB · Zivilrecht

Der Voraus ist das Recht des überlebenden Ehegatten, der neben Verwandten der ersten oder zweiten Ordnung oder neben Großeltern gesetzlicher Erbe ist, die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind, sowie die Hochzeitsgeschenke zusätzlich zum Erbteil aus dem Nachlass zu beanspruchen. Neben Verwandten der ersten Ordnung besteht dieses Recht nur, soweit er die Gegenstände zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt.

Merksatz

Ob Haushaltsbedarf erforderlich ist, hängt davon ab, welche Verwandten neben dem Ehegatten gesetzlich erben.

Voraus oder Vorausvermächtnis?Der Voraus folgt aus dem Gesetz, das Vorausvermächtnis aus einer Verfügung von Todes wegen zugunsten eines Erben.
Voraus
Vorausvermächtnis
Entstehung
Gesetzlicher Anspruch des Ehegatten
Anordnung durch den Erblasser
Gegenstand
Bestimmter Hausrat und Hochzeitsgeschenke
Vom Erblasser bestimmter Vermögensvorteil
Haushaltsbedarf
Erforderlich neben Abkömmlingen
Keine entsprechende gesetzliche Grenze

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

Mara und ihr Mann nutzten in ihrer gemieteten Wohnung eine Waschmaschine, die allein ihrem Mann gehörte und nicht fest eingebaut war. Ihr Mann stirbt ohne Testament oder Erbvertrag; seine einzigen Hinterbliebenen sind Mara und die erwachsene gemeinsame Tochter. Mara führt den bisherigen Haushalt allein weiter und benötigt die Waschmaschine für ihre normale Wäsche, weil sie keine andere besitzt.

Trifft „Voraus“ hier zu?

„Voraus“ trifft zu.Alle 5 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Überlebender Ehegatte
    Mara hat ihren Ehemann überlebt.
    erfüllt
  2. 2
    Gesetzliche Erbenstellung
    Mangels abweichender Verfügung erbt Mara als Ehefrau nach der gesetzlichen Erbfolge.
    erfüllt
  3. 3
    Miterben erster oder zweiter Ordnung oder Großeltern
    Die gemeinsame Tochter ist als Abkömmling eine Miterbin erster Ordnung.
    erfüllt
  4. 4
    Haushaltsgegenstand ohne Grundstückszubehör oder Hochzeitsgeschenk
    Die Waschmaschine gehört zum Nachlass und zum ehelichen Haushalt, nicht zum Grundstückszubehör.
    erfüllt
  5. 5
    Bei Miterben erster Ordnung: Bedarf für angemessenen Haushalt
    Mara benötigt die Waschmaschine für einen angemessenen Haushalt.
    erfüllt
BFall B

Mara und ihr Mann nutzten in ihrer gemieteten Wohnung eine Waschmaschine, die allein ihrem Mann gehörte und nicht fest eingebaut war. Ihr Mann stirbt ohne Testament oder Erbvertrag; seine einzigen Hinterbliebenen sind Mara und die erwachsene gemeinsame Tochter. Schon vor seinem Tod besaß Mara daneben eine eigene gleichwertige Waschmaschine, die sie nach seinem Tod allein nutzt und die für ihre gesamte Wäsche ausreicht. Mara möchte außerdem die bisher gemeinsam genutzte Waschmaschine behalten.

Trifft „Voraus“ hier zu?

„Voraus“ trifft nicht zu.Es fehlt: Bei Miterben erster Ordnung: Bedarf für angemessenen Haushalt

An der Definition geprüft

  1. 1
    Überlebender Ehegatte
    Mara hat ihren Ehemann überlebt.
    erfüllt
  2. 2
    Gesetzliche Erbenstellung
    Mangels abweichender Verfügung erbt Mara als Ehefrau nach der gesetzlichen Erbfolge.
    erfüllt
  3. 3
    Miterben erster oder zweiter Ordnung oder Großeltern
    Die gemeinsame Tochter ist als Abkömmling eine Miterbin erster Ordnung.
    erfüllt
  4. 4
    Haushaltsgegenstand ohne Grundstückszubehör oder Hochzeitsgeschenk
    Die Waschmaschine gehört zum Nachlass und zum ehelichen Haushalt, nicht zum Grundstückszubehör.
    erfüllt
  5. 5
    Bei Miterben erster Ordnung: Bedarf für angemessenen Haushalt
    Wegen ihrer eigenen ausreichenden Waschmaschine benötigt Mara die zusätzliche Maschine nicht für einen angemessenen Haushalt.
    fehlt

Typische Fehler

Voraussetzung vergessen

FehlerDer gesetzliche Voraus wird auch einem Ehegatten zugesprochen, der ausschließlich aufgrund eines Testaments erbt.

RichtigDer gesetzliche Voraus setzt die gesetzliche Erbenstellung des Ehegatten voraus.

Rechtsfolge falsch

FehlerDer Wert der erhaltenen Gegenstände wird vom Erbteil des Ehegatten abgezogen.

RichtigDie vom Voraus erfassten Gegenstände stehen dem Ehegatten zusätzlich zu seinem Erbteil zu.

In diesen Prüfungsschemata geprüft

1 Schema

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