Definitionen
Individualprinzip
§ 29 StGB · StrafrechtDas Individualprinzip besagt, dass jeder Beteiligte (Täter oder Teilnehmer) seine Schuld und Strafbarkeit eigenständig und unabhängig von der Schuld der anderen Beteiligten verwirklicht, sodass Strafausschließungs-, Strafaufhebungs- oder Strafmilderungsgründe, die in der Person eines Beteiligten vorliegen, nur für diesen, nicht aber für die übrigen Beteiligten gelten.
Die Schuld eines Beteiligten wird anderen Beteiligten nicht zugerechnet.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
1Anna und Ben stehlen gemeinsam ein Fahrrad, das sie anschließend verkaufen wollen. Wegen einer schweren psychischen Erkrankung kann Anna bei der Tat trotz Kenntnis aller tatsächlichen Umstände nicht erkennen, dass ihr Verhalten Unrecht ist. Ben erkennt das Unrecht und kann sein Verhalten uneingeschränkt steuern. 2Das Gericht spricht Anna wegen ihrer fehlenden Einsichtsfähigkeit frei und verurteilt Ben aufgrund seines eigenen schuldhaften Handelns.
Trifft „Individualprinzip“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltBeteiligung als Täter oder TeilnehmerAnna und Ben sind als gemeinsam handelnde Täter an dem Diebstahl beteiligt.
- 2erfülltEigenständige Beurteilung von Schuld und persönlichen StrafgründenDas Gericht beurteilt die Schuld für jede Person gesondert und überträgt Annas Schuldunfähigkeit nicht auf Ben.
1Anna und Ben stehlen gemeinsam ein Fahrrad, das sie anschließend verkaufen wollen. Wegen einer schweren psychischen Erkrankung kann Anna bei der Tat trotz Kenntnis aller tatsächlichen Umstände nicht erkennen, dass ihr Verhalten Unrecht ist. Ben erkennt das Unrecht und kann sein Verhalten uneingeschränkt steuern. Das Gericht spricht beide allein deshalb frei, weil Anna wegen ihrer Erkrankung das Unrecht nicht erkennen konnte.
Trifft „Individualprinzip“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltBeteiligung als Täter oder TeilnehmerAnna und Ben sind als gemeinsam handelnde Täter an dem Diebstahl beteiligt.
- 2fehltEigenständige Beurteilung von Schuld und persönlichen StrafgründenDas Gericht überträgt Annas Schuldunfähigkeit auf Ben, statt dessen Schuld eigenständig zu beurteilen.
Typische Fehler
FehlerAus der Schuldunfähigkeit des Haupttäters wird geschlossen, dass auch ein Teilnehmer nicht bestraft werden kann.
RichtigAllein die Schuldunfähigkeit des Haupttäters schließt eine Bestrafung des Teilnehmers nicht aus.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema