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Hypothetischer Wille

(—) · Strafrecht

Im Rahmen der mutmaßlichen Einwilligung bezeichnet ein zustimmender hypothetischer Wille die Zustimmung zur konkreten Handlung, die der Betroffene bei Kenntnis der Umstände im Zeitpunkt der Handlung erteilt hätte. Dieser Wille wird anhand seiner individuellen Interessen, Wünsche und Wertvorstellungen ermittelt. Die mutmaßliche Einwilligung ist gegenüber einer rechtzeitig einholbaren tatsächlichen Einwilligung subsidiär und bildet einen übergesetzlichen Rechtfertigungsgrund.

Merksatz

Maßgeblich ist die persönliche Entscheidung des Betroffenen, nicht eine allgemein vernünftige Entscheidung.

Wann zählt der hypothetische Wille?Der Ausschnitt zeigt Subsidiarität und Willensbestimmung. Weitere Voraussetzungen der mutmaßlichen Einwilligung bleiben unberührt.
  1. 1
    Vorrang tatsächlicher Einwilligung
    Prüfen, ob eine tatsächliche Einwilligung noch rechtzeitig eingeholt werden kann.
  2. 2
    Hypothetischer Wille
    Prüfen, ob der Betroffene nach seinen individuellen Maßstäben der konkreten Handlung zugestimmt hätte.
  1. 1
    Vorrang tatsächlicher Einwilligung Prüfen, ob eine tatsächliche Einwilligung noch rechtzeitig eingeholt werden kann.
  2. 2
    Hypothetischer Wille Prüfen, ob der Betroffene nach seinen individuellen Maßstäben der konkreten Handlung zugestimmt hätte.
Hypothetischer Wille

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

3Der erwachsene Amir ist nach einem Unfall bewusstlos und muss sofort am Unterarm operiert werden; eine frühere Erklärung zur Behandlung ist nicht bekannt. Es gibt zwei gleich sichere und medizinisch gleich geeignete Verfahren, von denen eines seine Tätowierung erhält und das andere sie dauerhaft zerstört. 2Amir schützt diese Tätowierung als einzige Erinnerung an seinen verstorbenen Bruder seit Jahren besonders sorgfältig. 1Die Ärztin wählt das Verfahren, das die Tätowierung erhält.

Trifft „Hypothetischer Wille“ hier zu?

„Hypothetischer Wille“ trifft zu.Alle 3 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Gedachte Zustimmung zur konkreten Handlung im Handlungszeitpunkt
    Amir hätte der sofort notwendigen Behandlung unter Erhaltung seiner persönlich bedeutsamen Tätowierung zugestimmt.
    erfüllt
  2. 2
    Beurteilung nach individuellen Interessen, Wünschen und Wertvorstellungen
    Seine persönliche Bindung an die Tätowierung bestimmt die Rekonstruktion seiner Entscheidung.
    erfüllt
  3. 3
    Keine rechtzeitig einholbare tatsächliche Einwilligung
    Wegen der Bewusstlosigkeit und der sofort notwendigen Operation kann Amir nicht rechtzeitig selbst entscheiden.
    erfüllt
BFall B

3Der erwachsene Amir ist nach einem Unfall bewusstlos und muss sofort am Unterarm operiert werden; eine frühere Erklärung zur Behandlung ist nicht bekannt. Es gibt zwei gleich sichere und medizinisch gleich geeignete Verfahren, von denen eines seine Tätowierung erhält und das andere sie dauerhaft zerstört. 2Amir schützt diese Tätowierung als einzige Erinnerung an seinen verstorbenen Bruder seit Jahren besonders sorgfältig. Die Ärztin wählt das Verfahren, das die Tätowierung dauerhaft zerstört.

Trifft „Hypothetischer Wille“ hier zu?

„Hypothetischer Wille“ trifft nicht zu.Es fehlt: Gedachte Zustimmung zur konkreten Handlung im Handlungszeitpunkt

An der Definition geprüft

  1. 1
    Gedachte Zustimmung zur konkreten Handlung im Handlungszeitpunkt
    Angesichts der gleich geeigneten Alternative entspricht die vermeidbare Zerstörung nicht Amirs persönlichem Willen.
    fehlt
  2. 2
    Beurteilung nach individuellen Interessen, Wünschen und Wertvorstellungen
    Aus seiner persönlichen Bindung lässt sich seine ablehnende Entscheidung gegenüber der vermeidbaren Zerstörung erschließen.
    erfüllt
  3. 3
    Keine rechtzeitig einholbare tatsächliche Einwilligung
    Auch hier kann wegen der Bewusstlosigkeit und der Dringlichkeit keine rechtzeitige Entscheidung Amirs eingeholt werden.
    erfüllt

Typische Fehler

Voraussetzung vergessen

FehlerEine erwartete Zustimmung wird herangezogen, obwohl der Betroffene noch rechtzeitig selbst gefragt werden kann.

RichtigKann eine tatsächliche Einwilligung rechtzeitig eingeholt werden, darf sie nicht durch eine bloß vermutete Zustimmung ersetzt werden.

In diesen Prüfungsschemata geprüft

1 Schema

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