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Horizontale unmittelbare Wirkung

Öffentliches Recht

Die horizontale unmittelbare Wirkung bezeichnet die direkte Bindung Privater untereinander an Normen des Unionsrechts, ohne dass ein staatlicher Vermittlungsakt erforderlich ist. Sie setzt eine hinreichend genaue und unbedingte Vorschrift voraus, die nach ihrem Inhalt Rechte oder Pflichten zwischen Privaten begründet; dies kommt bei bestimmten Vorschriften des Primärrechts einschließlich einzelner Unionsgrundrechte sowie bei entsprechend ausgestalteten Vorschriften von Verordnungen in Betracht. Richtlinien können als solche keine Verpflichtungen für Private begründen und haben daher keine horizontale unmittelbare Wirkung.

Merksatz

Die Wirkung zwischen Privaten setzt voraus, dass die Unionsnorm gerade auch private Rechtsbeziehungen erfasst.

Horizontal oder vertikal unmittelbar?Horizontal betrifft das Verhältnis Privater untereinander. Bei Richtlinien ist zusätzlich entscheidend, gegen wen sie geltend gemacht werden.
Horizontale unmittelbare Wirkung
Vertikale unmittelbare Wirkung
Rechtsverhältnis
Private untereinander
Private und der Staat einschließlich gleichgestellter Einrichtungen
Richtlinien als solche
Keine unmittelbaren Verpflichtungen Privater
Unter weiteren Voraussetzungen zugunsten Privater gegenüber dem Staat möglich

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

Anna und Ben verrichten bei derselben privaten Paketfirma dieselbe Arbeit unter gleichen Bedingungen. Allein wegen ihres Geschlechts erhält Anna einen niedrigeren Stundenlohn als Ben. Anna fordert von der Firma die Lohndifferenz und beruft sich dabei allein auf die Regel im EU-Vertrag über gleichen Lohn für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit.

Trifft „Horizontale unmittelbare Wirkung“ hier zu?

„Horizontale unmittelbare Wirkung“ trifft zu.Alle 5 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Rechtsverhältnis zwischen Privaten
    Anna und ihre private Arbeitgeberin stehen sich als Private gegenüber.
    erfüllt
  2. 2
    Unionsrechtliche Grundlage
    Das Entgeltgleichheitsgebot folgt aus Art. 157 Abs. 1 AEUV und gehört zum Unionsrecht.
    erfüllt
  3. 3
    Kein staatlicher Vermittlungsakt erforderlich
    Anna kann sich für diesen Entgeltvergleich unmittelbar auf Art. 157 Abs. 1 AEUV stützen.
    erfüllt
  4. 4
    Hinreichend genaue und unbedingte Vorschrift
    Für die geschlechtsbezogene Entgeltdifferenz bei gleicher Arbeit ist das Gebot hinreichend genau und unbedingt.
    erfüllt
  5. 5
    Inhaltliche Erfassung privater Rechtsbeziehungen
    Das Entgeltgleichheitsgebot verpflichtet auch private Arbeitgeber.
    erfüllt
BFall B

Anna und Ben verrichten als Angestellte einer staatlichen Behörde dieselbe Arbeit unter gleichen Bedingungen. Allein wegen ihres Geschlechts erhält Anna einen niedrigeren Stundenlohn als Ben. Anna fordert von der Behörde die Lohndifferenz und beruft sich dabei allein auf die Regel im EU-Vertrag über gleichen Lohn für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit.

Trifft „Horizontale unmittelbare Wirkung“ hier zu?

„Horizontale unmittelbare Wirkung“ trifft nicht zu.Es fehlt: Rechtsverhältnis zwischen Privaten

An der Definition geprüft

  1. 1
    Rechtsverhältnis zwischen Privaten
    Anna steht mit der staatlichen Behörde kein privater Arbeitgeber gegenüber; das Verhältnis ist vertikal.
    fehlt
  2. 2
    Unionsrechtliche Grundlage
    Das Entgeltgleichheitsgebot folgt aus Art. 157 Abs. 1 AEUV und gehört zum Unionsrecht.
    erfüllt
  3. 3
    Kein staatlicher Vermittlungsakt erforderlich
    Auch gegenüber ihrem staatlichen Arbeitgeber kann Anna das Gebot ohne staatlichen Vermittlungsakt geltend machen.
    erfüllt
  4. 4
    Hinreichend genaue und unbedingte Vorschrift
    Für die geschlechtsbezogene Entgeltdifferenz bei gleicher Arbeit ist das Gebot hinreichend genau und unbedingt.
    erfüllt
  5. 5
    Inhaltliche Erfassung privater Rechtsbeziehungen
    Die Vorschrift erfasst ihrem Inhalt nach auch private Arbeitgeber, obwohl hier ein staatlicher Arbeitgeber handelt.
    erfüllt

Typische Fehler

Verwechslung

FehlerAus der unmittelbaren Geltung einer Verordnung wird auf die horizontale unmittelbare Wirkung jeder ihrer Vorschriften geschlossen.

RichtigAuch bei einer Verordnung muss die konkrete Vorschrift hinreichend genau und unbedingt sein und ihrem Inhalt nach Rechte oder Pflichten zwischen Privaten begründen.

Rechtsfolge falsch

FehlerEine nicht fristgerecht umgesetzte Richtlinie wird als solche zur Begründung einer Verpflichtung eines privaten Arbeitgebers herangezogen.

RichtigAuch nach Ablauf der Umsetzungsfrist kann eine Richtlinie als solche keine Verpflichtungen für Private begründen.

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