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Anstandsschenkung

§ 534 BGB · Zivilrecht

Eine Anstandsschenkung ist eine Schenkung, deren Unterlassung nach den Anschauungen sozial Gleichgestellter als Verletzung des Anstands empfunden würde. Maßgeblich sind Anlass und Wert der Zuwendung sowie die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Beteiligten. Solche Schenkungen sind wie Schenkungen zur Erfüllung einer sittlichen Pflicht gemäß § 534 BGB von der Rückforderung wegen Verarmung des Schenkers (§ 528 BGB) und vom Widerruf wegen groben Undanks (§ 530 BGB) ausgenommen.

Merksatz

Auch bei üblichen Anlässen muss der Geschenkwert zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen passen.

Anstand oder sittliche Pflicht?Die Schenkungsarten unterscheiden sich im Grund der Zuwendung. Der Schutz vor Rückforderung und Widerruf ist dagegen gleich.
Anstandsschenkung
Pflichtschenkung
Grund der Zuwendung
Gesellschaftliche Anstandserwartung
Sittliche Verpflichtung
Schutz des Geschenks
Keine Rückforderung nach § 528 BGB und kein Widerruf nach § 530 BGB.
Keine Rückforderung nach § 528 BGB und kein Widerruf nach § 530 BGB.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

In Annas Freundeskreis sind zum Geburtstag Blumen für etwa 20 Euro üblich; ein fehlendes Geschenk wird als unhöflich empfunden. Anna und Bea verdienen jeweils 2.500 Euro netto monatlich und leben in vergleichbaren Verhältnissen. Anna übergibt Bea zum Geburtstag einen Blumenstrauß für 20 Euro, den Bea ohne jede Gegenleistung als Geschenk annimmt.

Trifft „Anstandsschenkung“ hier zu?

„Anstandsschenkung“ trifft zu.Alle 2 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Schenkung
    Anna und Bea sind sich über die unentgeltliche Zuwendung des Blumenstraußes einig.
    erfüllt
  2. 2
    Sozial gebotene Zuwendung nach Anlass, Wert und Verhältnissen
    Der Blumenstrauß entspricht nach Anlass und Wert den Anstandserwartungen im maßgeblichen sozialen Umfeld.
    erfüllt
BFall B

In Annas Freundeskreis sind zum Geburtstag Blumen für etwa 20 Euro üblich; ein fehlendes Geschenk wird als unhöflich empfunden. Anna und Bea verdienen jeweils 2.500 Euro netto monatlich und leben in vergleichbaren Verhältnissen. 1Anna übergibt Bea zum Geburtstag eine goldene Uhr für 15.000 Euro, die Bea ohne jede Gegenleistung als Geschenk annimmt.

Trifft „Anstandsschenkung“ hier zu?

„Anstandsschenkung“ trifft nicht zu.Es fehlt: Sozial gebotene Zuwendung nach Anlass, Wert und Verhältnissen

An der Definition geprüft

  1. 1
    Schenkung
    Anna und Bea sind sich über die unentgeltliche Zuwendung der Uhr einig.
    erfüllt
  2. 2
    Sozial gebotene Zuwendung nach Anlass, Wert und Verhältnissen
    Die teure Uhr überschreitet deutlich das nach den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen gebotene Geburtstagsgeschenk.
    fehlt

Typische Fehler

Verwechslung

FehlerAnstands- und Pflichtschenkungen werden gleichgesetzt.

RichtigAnstandsschenkungen beruhen auf gesellschaftlichen Anstandserwartungen, Pflichtschenkungen dagegen auf einer sittlichen Pflicht.

Rechtsfolge falsch

FehlerEine Anstandsschenkung wird trotz ihrer Einordnung wegen späterer Verarmung oder groben Undanks zurückverlangt.

Richtig§ 534 BGB schließt bei Anstandsschenkungen die Rückforderung nach § 528 BGB und den Widerruf nach § 530 BGB aus.

In diesen Prüfungsschemata geprüft

1 Schema

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