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326 Definitionen

Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden

§ 138 BGB, § 826 BGB · Zivilrecht

Das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden ist der objektive Maßstab zur Bestimmung der guten Sitten im Sinne des § 138 BGB und § 826 BGB; es bezeichnet den ethischen Grundkonsens der Rechtsgemeinschaft, wie er von einem verständigen, durchschnittlich rechtlich und moralisch denkenden Menschen empfunden wird, und dient als Korrektiv zur Beurteilung der Sittenwidrigkeit eines Rechtsgeschäfts oder einer Handlung.

Merksatz

Entscheidend sind die gemeinsamen ethischen Wertungen der Rechtsgemeinschaft, nicht persönliche Moralvorstellungen.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

Ein Vertrag sieht vor, dass eine erwachsene Frau gegen monatliche Zahlungen lebenslang nur mit Erlaubnis ihres Partners berufstätig sein darf. 2Eine Richterin prüft, ob der Vertrag wegen seines Widerspruchs zu grundlegenden moralischen Wertungen unwirksam ist. 1Dabei orientiert sie sich an den in der Rechtsgemeinschaft geteilten Vorstellungen von persönlicher Freiheit und Gleichberechtigung.

Trifft „Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden“ hier zu?

„Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden“ trifft zu.Alle 2 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Orientierung am ethischen Grundkonsens der Rechtsgemeinschaft
    Die Richterin legt gemeinsame ethische Wertungen statt persönlicher Vorlieben zugrunde.
    erfüllt
  2. 2
    Beurteilung der Sittenwidrigkeit eines Rechtsgeschäfts oder einer Handlung
    Gegenstand der Prüfung ist die Sittenwidrigkeit eines Vertrags.
    erfüllt
BFall B

Ein Vertrag sieht vor, dass eine erwachsene Frau gegen monatliche Zahlungen lebenslang nur mit Erlaubnis ihres Partners berufstätig sein darf. 2Eine Richterin prüft, ob der Vertrag wegen seines Widerspruchs zu grundlegenden moralischen Wertungen unwirksam ist. Dabei legt sie ausschließlich ihre persönliche Abneigung gegen ungewöhnliche Vereinbarungen zugrunde und lässt die gemeinsamen Wertvorstellungen der Rechtsgemeinschaft außer Betracht.

Trifft „Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden“ hier zu?

„Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden“ trifft nicht zu.Es fehlt: Orientierung am ethischen Grundkonsens der Rechtsgemeinschaft

An der Definition geprüft

  1. 1
    Orientierung am ethischen Grundkonsens der Rechtsgemeinschaft
    Die Richterin verwendet einen rein persönlichen Maßstab und berücksichtigt den ethischen Grundkonsens nicht.
    fehlt
  2. 2
    Beurteilung der Sittenwidrigkeit eines Rechtsgeschäfts oder einer Handlung
    Auch hier wird die Sittenwidrigkeit eines Vertrags geprüft, allerdings anhand des falschen Maßstabs.
    erfüllt

Typische Fehler

Voraussetzung vergessen

FehlerAus der Sittenwidrigkeit einer Handlung wird unmittelbar ein Schadensersatzanspruch nach § 826 BGB abgeleitet.

RichtigDer Anspruch setzt zusätzlich einen Schaden und zumindest bedingten Vorsatz hinsichtlich der Schädigung voraus.

In diesen Prüfungsschemata geprüft

1 Schema

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