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326 Definitionen

Allgemeinheit der Wahl

Art. 38 Abs. 1 S. 1 GG · Öffentliches Recht

Der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl gebietet, dass alle Staatsbürger ohne Ansehung persönlicher Eigenschaften oder gesellschaftlicher Stellung aktiv und passiv wahlberechtigt sind; Differenzierungen beim Wahlrecht sind nur aus zwingenden, in der Verfassung selbst angelegten Gründen zulässig.

Merksatz

Die Allgemeinheit schützt den Zugang zur Wahl, sowohl zur Stimmabgabe als auch zur Kandidatur.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

Ein neues Gesetz zur Bundestagswahl 1erlaubt allen deutschen Staatsbürgern ab 18 Jahren die Stimmabgabe, unabhängig von Schulabschluss, Beruf oder Einkommen. 2Für die Kandidatur gelten dieselben Voraussetzungen.

Trifft „Allgemeinheit der Wahl“ hier zu?

„Allgemeinheit der Wahl“ trifft zu.Alle 2 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Allgemeines aktives Wahlrecht
    Abgesehen von der verfassungsrechtlich vorgesehenen Altersgrenze bestehen keine persönlichen oder sozialen Zugangshürden zur Stimmabgabe.
    erfüllt
  2. 2
    Allgemeines passives Wahlrecht
    Auch die Kandidatur steht allen volljährigen deutschen Staatsbürgern unabhängig von Bildung, Beruf und Einkommen offen.
    erfüllt
BFall B

Ein neues Gesetz zur Bundestagswahl 1erlaubt allen deutschen Staatsbürgern ab 18 Jahren die Stimmabgabe, unabhängig von Schulabschluss, Beruf oder Einkommen. Als Kandidaten dürfen aber nur deutsche Staatsbürger ab 18 Jahren mit Abitur antreten.

Trifft „Allgemeinheit der Wahl“ hier zu?

„Allgemeinheit der Wahl“ trifft nicht zu.Es fehlt: Allgemeines passives Wahlrecht

An der Definition geprüft

  1. 1
    Allgemeines aktives Wahlrecht
    Die Stimmabgabe steht allen deutschen Staatsbürgern offen, die das verfassungsrechtlich vorgesehene Mindestalter erreicht haben.
    erfüllt
  2. 2
    Allgemeines passives Wahlrecht
    Der Ausschluss von Personen ohne Abitur lässt sich nicht durch zwingende verfassungsrechtliche Gründe rechtfertigen.
    fehlt
CFall CAbgrenzung zu Gleichheit der Wahl

Ein neues Gesetz zur Bundestagswahl erlaubt allen deutschen Staatsbürgern ab 18 Jahren zu wählen und zu kandidieren. Die Stimme von Personen mit einem Jahreseinkommen über 100.000 Euro wird doppelt gezählt, jede andere Stimme einfach.

Trifft „Allgemeinheit der Wahl“ hier zu?

„Allgemeinheit der Wahl“ trifft zu.Alle 2 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Allgemeines aktives Wahlrecht
    Der Zugang zur Stimmabgabe bleibt allgemein; die einkommensabhängige Stimmengewichtung verletzt stattdessen die Wahlgleichheit.
    erfüllt
  2. 2
    Allgemeines passives Wahlrecht
    Die Kandidatur steht allen volljährigen deutschen Staatsbürgern ohne zusätzliche persönliche oder soziale Zugangshürden offen.
    erfüllt

Typische Fehler

Rechtsfolge falsch

FehlerJede Beschränkung des Kreises der Wahlberechtigten wird als Verstoß gegen die Allgemeinheit der Wahl behandelt.

RichtigVerfassungsrechtlich zwingende Beschränkungen bleiben zulässig, etwa das im Grundgesetz vorgesehene Mindestwahlalter.

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