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326 Definitionen

Abgebrochene Kausalität

Abgebrochene Kausalität liegt vor, wenn ein bereits in Gang gesetzter Kausalverlauf, der zur Rechtsgutsverletzung geführt hätte, durch einen neuen Kausalverlauf überholt wird, der den Erfolg früher herbeiführt und vom ursprünglichen Kausalverlauf unabhängig ist. Die Kausalität des Ersthandelnden entfällt, weil nicht seine Handlung, sondern allein der unabhängige Zweitkausalverlauf den Erfolg bewirkt; dieser kann etwa durch das Dazwischentreten eines Dritten oder des Opfers ausgelöst werden.

Merksatz

Nur ein unabhängiger Zweitverlauf kann die Kausalität des Ersthandelnden abbrechen.

Unabhängiger oder anknüpfender Verlauf?Entscheidend ist, ob der neue Verlauf unabhängig ist oder an den ersten anknüpft. Das bloße Eingreifen einer anderen Person genügt nicht.
Abgebrochene Kausalität
Anknüpfende Kausalität
Verhältnis der Verläufe
Der neue Verlauf ist vom ursprünglichen unabhängig.
Der neue Verlauf baut auf dem ursprünglichen auf.
Kausalität der Ersttat
Die Ersthandlung ist für den Erfolg nicht ursächlich.
Die Ersthandlung bleibt für den Erfolg ursächlich.

Fälle zum Selbstprüfen

Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.

AFall A

1Anton gibt Ben ein langsam wirkendes Gift, an dem Ben ohne weitere Einwirkungen zwei Stunden später sterben würde. 3Clara hat schon am Vortag beschlossen, Ben zu erschießen, und weiß nichts von dem Gift. 2Eine Stunde nach der Giftgabe schießt sie Ben in den Kopf; er stirbt sofort an der Schussverletzung.

Trifft „Abgebrochene Kausalität“ hier zu?

„Abgebrochene Kausalität“ trifft zu.Alle 3 Merkmale sind erfüllt.

An der Definition geprüft

  1. 1
    Begonnener Kausalverlauf, der zum Erfolg geführt hätte
    Die Giftgabe hat einen Verlauf ausgelöst, der ohne das weitere Geschehen zum Tod geführt hätte.
    erfüllt
  2. 2
    Früherer Erfolg durch einen neuen Kausalverlauf
    Der Schuss verursacht den Tod eine Stunde vor dem zu erwartenden Gifttod.
    erfüllt
  3. 3
    Unabhängigkeit des neuen vom ursprünglichen Kausalverlauf
    Claras Vorgehen knüpft nicht an die Vergiftung an.
    erfüllt
BFall B

1Anton gibt Ben ein langsam wirkendes Gift, an dem Ben ohne Behandlung zwei Stunden später sterben würde. Wegen der Vergiftung behandelt eine Ärztin Ben nach einer Stunde. 2Sie verwechselt das benötigte Mittel mit einem anderen Medikament und spritzt es Ben; er stirbt sofort an diesem Medikament, bevor das Gift tödlich wirken kann.

Trifft „Abgebrochene Kausalität“ hier zu?

„Abgebrochene Kausalität“ trifft nicht zu.Es fehlt: Unabhängigkeit des neuen vom ursprünglichen Kausalverlauf

An der Definition geprüft

  1. 1
    Begonnener Kausalverlauf, der zum Erfolg geführt hätte
    Ohne die Behandlung hätte die bereits erfolgte Giftgabe zum Tod geführt.
    erfüllt
  2. 2
    Früherer Erfolg durch einen neuen Kausalverlauf
    Das verwechselte Medikament verursacht den Tod vor der tödlichen Wirkung des Gifts.
    erfüllt
  3. 3
    Unabhängigkeit des neuen vom ursprünglichen Kausalverlauf
    Die Behandlung erfolgt wegen der Vergiftung und knüpft damit an Antons Handlung an.
    fehlt

Typische Fehler

Verwechslung

FehlerDie Ersthandlung wird als Todesursache behandelt, weil sie das Opfer später ebenfalls getötet hätte.

RichtigEin lediglich hypothetischer späterer Tod macht die Ersthandlung nicht zur Ursache des tatsächlich durch den unabhängigen Zweitverlauf eingetretenen Todes.

In diesen Prüfungsschemata geprüft

1 Schema

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