Definitionen
Ein Schlüsselroman ist ein literarisches Werk, das reale Personen oder Ereignisse unter fiktiven Namen und in verfremdetem Kontext darstellt, sodass ein hinreichend informierter Leserkreis die tatsächlichen Vorbilder identifizieren kann; er ist presserechtlich und grundrechtlich relevant, weil er trotz fiktiver Einkleidung in die Persönlichkeitsrechte der erkennbaren Personen eingreifen kann und daher an den Maßstäben der Meinungs- und Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 1, 3 GG) einerseits sowie des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) andererseits zu messen ist.
Erfundene Namen verhindern nicht, dass ein Roman Persönlichkeitsrechte berührt.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
Eine Autorin schreibt einen Roman über ihre frühere Nachbarin. Die Figur erhält einen erfundenen Namen und lebt statt in einer deutschen Großstadt in einem erfundenen Bergdorf. Wie die Nachbarin war die Figur früher Zirkusartistin und eröffnete danach die einzige Geigenwerkstatt ihres Heimatorts. Die früheren Nachbarn kennen diese ungewöhnliche Lebensgeschichte.
Trifft „Schlüsselroman“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltLiterarisches WerkDer Roman ist ein literarisches Werk.
- 2erfülltReale Vorbilder in fiktiver EinkleidungDie reale Nachbarin wird mit geändertem Namen und in einer erfundenen Umgebung dargestellt.
- 3erfülltErkennbarkeit für einen hinreichend informierten LeserkreisDie früheren Nachbarn können das Vorbild anhand der ungewöhnlichen Kombination von Lebensstationen zuordnen.
Eine Autorin schreibt einen Roman über ihre frühere Nachbarin. Die Figur erhält einen erfundenen Namen und lebt statt in einer deutschen Großstadt in einem erfundenen Bergdorf. Von der Nachbarin übernimmt sie nur gewöhnliche Verhaltensweisen wie morgendliches Teetrinken und abendliches Spazierengehen; alle individuellen Lebensumstände und Eigenschaften erfindet sie neu. Die Autorin hat niemandem erzählt, wer ihr als Vorbild dient.
Trifft „Schlüsselroman“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltLiterarisches WerkDer Roman ist ein literarisches Werk.
- 2erfülltReale Vorbilder in fiktiver EinkleidungDie reale Nachbarin dient als Vorbild einer Figur mit erfundenem Namen und veränderter Umgebung.
- 3fehltErkennbarkeit für einen hinreichend informierten LeserkreisDie alltäglichen Gewohnheiten ermöglichen auch Bekannten keine Zuordnung zur Nachbarin, weil sämtliche individuellen Anhaltspunkte fehlen.
Typische Fehler
FehlerDie Erkennbarkeit einer realen Person wird bereits als ausreichender Grund für ein Verbot des Romans behandelt.
RichtigDie Erkennbarkeit allein entscheidet nicht über die Zulässigkeit; der grundrechtliche Schutz des Werks und das allgemeine Persönlichkeitsrecht sind im Einzelfall gegeneinander abzuwägen.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema