Definitionen
Rentabilitätsvermutung
§ 280 Abs. 1, Abs. 3 BGB · ZivilrechtDie Rentabilitätsvermutung ist eine von der Rechtsprechung entwickelte widerlegliche Vermutung bei der Berechnung des Schadensersatzes statt der Leistung: Bei einem auf Gewinnerzielung gerichteten Vertrag wird vermutet, dass sich die vom Gläubiger im Vertrauen auf die Leistung getätigten Aufwendungen bei ordnungsgemäßer Vertragserfüllung durch die Vorteile aus der Leistung amortisiert hätten. Dadurch können infolge der Pflichtverletzung nutzlos gewordene Aufwendungen als Schaden ersetzt werden, ohne dass der Gläubiger ihre Rentabilität konkret nachweisen muss. Der Aufwendungsersatz nach § 284 BGB ist demgegenüber nicht auf Aufwendungen für wirtschaftliche Zwecke beschränkt und setzt diese Vermutung nicht voraus.
Die Vermutung verbindet vergebliche Ausgaben mit dem wirtschaftlichen Nutzen, den die ausgebliebene Leistung erbracht hätte.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
1Eine Kunsthändlerin kauft ein großes Gemälde, um es mit Gewinn weiterzuverkaufen. 2Im Vertrauen auf die zugesagte Übergabe beauftragt und bezahlt sie die Anfahrt eines geeigneten Kunsttransporters. 3Als der Transporter am vereinbarten Tag eintrifft, verweigert der Verkäufer die Übergabe endgültig, obwohl er das Gemälde übergeben könnte. Das Fahrzeug fährt ohne das Bild zurück.
Trifft „Rentabilitätsvermutung“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltAuf Gewinnerzielung gerichteter VertragDer Kauf dient einem gewinnbringenden Weiterverkauf.
- 2erfülltAufwendungen im Vertrauen auf die LeistungDie Händlerin bezahlt die Anfahrt, weil sie mit der Übergabe des Gemäldes rechnet.
- 3erfülltNutzlosigkeit der Aufwendungen infolge der PflichtverletzungWegen der verweigerten Übergabe führt die bezahlte Anfahrt zu keiner Abholung.
Eine Privatperson bestellt ein großes Familienporträt ausschließlich als persönliche Erinnerung für ihr Wohnzimmer und ohne Verkaufsabsicht. 2Im Vertrauen auf die zugesagte Übergabe beauftragt und bezahlt sie die Anfahrt eines geeigneten Kunsttransporters. 3Als der Transporter am vereinbarten Tag eintrifft, verweigert der Maler die Übergabe endgültig, obwohl er das fertige Porträt übergeben könnte. Das Fahrzeug fährt ohne das Bild zurück.
Trifft „Rentabilitätsvermutung“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1fehltAuf Gewinnerzielung gerichteter VertragDas Porträt dient ausschließlich der privaten Erinnerung und nicht der Gewinnerzielung.
- 2erfülltAufwendungen im Vertrauen auf die LeistungDie Privatperson bezahlt die Anfahrt, weil sie mit der Übergabe des Porträts rechnet.
- 3erfülltNutzlosigkeit der Aufwendungen infolge der PflichtverletzungWegen der verweigerten Übergabe führt die bezahlte Anfahrt zu keiner Abholung.
Typische Fehler
FehlerDen Ersatz nichtwirtschaftlicher Aufwendungen allein deshalb ablehnen, weil die Rentabilitätsvermutung nicht greift.
RichtigNichtwirtschaftliche Aufwendungen können unter den Voraussetzungen des § 284 BGB ersatzfähig sein, ohne dass die Rentabilitätsvermutung eingreift.
FehlerDie vermutete Rentabilität als unwiderleglich behandeln.
RichtigDer Schuldner kann die Vermutung durch den Nachweis widerlegen, dass sich die Aufwendungen auch bei ordnungsgemäßer Vertragserfüllung nicht amortisiert hätten.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema