Definitionen
Dolus generalis
StrafrechtDolus generalis bezeichnet den Irrtum des Täters über den genauen Kausalverlauf, bei dem er nach einer mit Erfolgsvorsatz vorgenommenen ersten Handlung irrtümlich annimmt, den tatbestandlichen Erfolg bereits herbeigeführt zu haben, während der Erfolg tatsächlich erst durch eine nachfolgende zweite Handlung eintritt, die der Täter ohne auf diesen Erfolg gerichteten Vorsatz vornimmt. Ein einheitlicher Gesamtvorsatz wird nicht angenommen; nach der Rechtsprechung wird vielmehr geprüft, ob die Abweichung vom vorgestellten Kausalverlauf wesentlich ist. Unwesentlich ist die Abweichung, wenn sie sich in den Grenzen des nach allgemeiner Lebenserfahrung Voraussehbaren hält und keine andere Bewertung der Tat rechtfertigt; dann liegt eine vollendete Vorsatztat vor, während bei wesentlicher Abweichung eine versuchte Tat und eine fahrlässige Erfolgsverursachung in Betracht kommen.
Der spätere Erfolgseintritt hindert eine vollendete Vorsatztat nicht, wenn die Abweichung vom Kausalverlauf unwesentlich ist.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
1Anton würgt Ben, um ihn zu töten. 2Als Ben bewusstlos wird, hält Anton ihn für tot. Um den Körper zu verstecken, wirft Anton ihn in einen wassergefüllten Schacht und 4ist sich dabei sicher, dass Ben bereits tot ist. 3Ben war beim Hineinwerfen noch am Leben und stirbt erst durch Ertrinken im Schacht.
Trifft „Dolus generalis“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltErste Handlung mit ErfolgsvorsatzAnton handelt beim Würgen mit Tötungsvorsatz.
- 2erfülltIrrige Annahme eines bereits eingetretenen ErfolgsAnton verwechselt Bens Bewusstlosigkeit mit dessen Tod.
- 3erfülltErfolg erst durch die zweite HandlungErst das Hineinwerfen in den Schacht führt zu Bens Tod.
- 4erfülltZweite Handlung ohne ErfolgsvorsatzWeil Anton Ben für tot hält, handelt er beim Hineinwerfen ohne Tötungsvorsatz.
1Anton würgt Ben, um ihn zu töten, lässt ihn aber los, als sich andere Personen nähern. Er erkennt, dass Ben noch lebt, und legt ihn in eine Truhe. 4Anton will Ben dort nur verstecken und ist sicher, dass Ben in der geschlossenen Truhe genug Luft bekommt. 3Ben stirbt durch Ersticken in der geschlossenen Truhe.
Trifft „Dolus generalis“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltErste Handlung mit ErfolgsvorsatzBeim Würgen will Anton Bens Tod herbeiführen.
- 2fehltIrrige Annahme eines bereits eingetretenen ErfolgsAnton erkennt vor dem Verstecken, dass Ben noch lebt.
- 3erfülltErfolg erst durch die zweite HandlungBens Tod tritt erst infolge des Einschließens in der Truhe ein.
- 4erfülltZweite Handlung ohne ErfolgsvorsatzAnton will beim Einschließen keinen Tod herbeiführen und vertraut sicher auf Bens Überleben.
Typische Fehler
FehlerDie Fallgruppe wird mit Fällen verwechselt, in denen der Erfolg früher als vom Täter vorgesehen eintritt.
RichtigBeim Dolus generalis hält der Täter den Erfolg bereits für eingetreten, obwohl ihn tatsächlich erst die zweite Handlung herbeiführt.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
3 Schemata