Definitionen
Atypischer Kausalverlauf
§ 16 StGB · StrafrechtEin atypischer Kausalverlauf liegt vor, wenn der vom Täter verursachte Erfolg auf einem Geschehensablauf beruht, der außerhalb dessen liegt, was nach allgemeiner Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge noch in Rechnung zu stellen ist. In diesem Fall entfällt bereits die objektive Zurechnung des Erfolges. Weicht der tatsächliche wesentlich vom vorgestellten Kausalverlauf ab, entfällt zudem nach § 16 Abs. 1 Satz 1 StGB der Vorsatz hinsichtlich des eingetretenen Erfolges.
Seltene Geschehensabläufe sind nicht automatisch atypisch, solange mit ihnen nach allgemeiner Lebenserfahrung noch zu rechnen ist.
- 1KausalitätHat das Täterverhalten den eingetretenen Erfolg verursacht?
- 2Objektive ZurechnungEin atypischer Geschehensablauf schließt die Zurechnung des Erfolges aus.
- 3VorsatzEine wesentliche Abweichung vom vorgestellten Ablauf schließt den entsprechenden Vorsatz aus.
- 1Kausalität Hat das Täterverhalten den eingetretenen Erfolg verursacht?
- 2Objektive Zurechnung Ein atypischer Geschehensablauf schließt die Zurechnung des Erfolges aus.
- 3Vorsatz Eine wesentliche Abweichung vom vorgestellten Ablauf schließt den entsprechenden Vorsatz aus.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
Paul schießt auf Tom, um ihn zu töten, und verletzt ihn am Arm. Ausschließlich wegen dieser Verletzung wird Tom in ein Krankenhaus gebracht. Während der Behandlung durchschlägt ein Meteorit das Dach und tötet Tom.
Trifft „Atypischer Kausalverlauf“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltDurch das Täterverhalten verursachter ErfolgOhne die Schussverletzung wäre Tom nicht am Ort des tödlichen Meteoriteneinschlags gewesen.
- 2erfülltGeschehensablauf außerhalb der allgemeinen LebenserfahrungMit einer solchen Todesursache während der Behandlung einer Schussverletzung ist nach allgemeiner Lebenserfahrung nicht zu rechnen.
Paul schießt auf Tom, um ihn zu töten, und trifft eine große Arterie in dessen Arm. 1Durch diese Schussverletzung verliert Tom so viel Blut, dass er kurz darauf stirbt.
Trifft „Atypischer Kausalverlauf“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltDurch das Täterverhalten verursachter ErfolgDer Schuss verursacht die Blutung und dadurch Toms Tod.
- 2fehltGeschehensablauf außerhalb der allgemeinen LebenserfahrungDass eine Schussverletzung einer großen Arterie zum Verbluten führt, liegt innerhalb der allgemeinen Lebenserfahrung.
Typische Fehler
FehlerDen atypischen Kausalverlauf ausschließlich beim Vorsatz prüfen und die objektive Zurechnung übergehen.
RichtigDer atypische Verlauf ist bereits bei der objektiven Zurechnung zu berücksichtigen, bevor der Vorsatz geprüft wird.
FehlerDie Ursächlichkeit des Täterverhaltens allein wegen des außergewöhnlichen Geschehensablaufs verneinen.
RichtigAuch ein atypischer Ablauf kann durch das Täterverhalten verursacht sein; ausgeschlossen ist dann die objektive Zurechnung.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema