Definitionen
Drei-Stufen-Theorie
Art. 12 I GG · Öffentliches RechtDie Drei-Stufen-Theorie ist ein vom BVerfG zu Art. 12 I GG entwickeltes Prüfungsschema, das staatliche Eingriffe in die Berufsfreiheit nach ihrer Intensität in drei Stufen einteilt: Regelungen der Berufsausübung (Stufe 1) sind durch vernünftige Erwägungen des Gemeinwohls gerechtfertigt; subjektive Zulassungsvoraussetzungen (Stufe 2) erfordern den Schutz wichtiger Gemeinschaftsgüter; objektive Zulassungsvoraussetzungen (Stufe 3) sind nur zur Abwehr nachweisbarer oder höchstwahrscheinlicher schwerer Gefahren für ein überragend wichtiges Gemeinschaftsgut zulässig. Ein Eingriff auf einer höheren Stufe ist nur zulässig, wenn die Gefahr mit Mitteln einer niedrigeren Stufe nicht wirksam abgewehrt werden kann.
Je höher die Eingriffsstufe, desto strenger sind die Anforderungen an den rechtfertigenden Gemeinwohlgrund.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
1Ein Gesetz erlaubt die selbständige Arbeit als Arzt nur nach abgeschlossenem Medizinstudium und bestandener ärztlicher Prüfung. 2Es soll Patienten vor schweren Behandlungsfehlern schützen. 3Nach gesicherten medizinischen Erkenntnissen treten solche Fehler bei Personen ohne diese Ausbildung auch unter verbindlichen Behandlungsvorgaben und engmaschiger fachlicher Kontrolle deutlich häufiger auf.
Trifft „Drei-Stufen-Theorie“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltStaatlicher Eingriff in die BerufsfreiheitDas Gesetz knüpft den Berufszugang an eine persönliche Qualifikation und enthält damit eine subjektive Zulassungsvoraussetzung.
- 2erfülltGemeinwohlgrund mit stufengerechtem GewichtLeben und Gesundheit der Patienten sind wichtige Gemeinschaftsgüter und tragen damit eine Regelung der zweiten Stufe.
- 3erfülltKeine gleich wirksame Abwehr auf niedrigerer StufeBloße Regeln für die Durchführung und Kontrolle der Behandlungen schützen ohne die erforderlichen Fachkenntnisse nicht ebenso wirksam.
1Ein Gesetz erlaubt den selbständigen Betrieb eines Blumengeschäfts nur nach abgeschlossener Ausbildung zum Floristen. 2Es soll Kunden vor schweren Vergiftungen durch giftige Zierpflanzen schützen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass gut sichtbare Warnhinweise an den Pflanzen solche Vergiftungen ebenso zuverlässig verhindern wie die vorgeschriebene Ausbildung.
Trifft „Drei-Stufen-Theorie“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltStaatlicher Eingriff in die BerufsfreiheitDas Gesetz macht den Berufszugang von einer persönlichen Qualifikation abhängig und enthält damit eine subjektive Zulassungsvoraussetzung.
- 2erfülltGemeinwohlgrund mit stufengerechtem GewichtDer Schutz der Gesundheit ist ein wichtiges Gemeinschaftsgut und entspricht dem erforderlichen Gewicht auf der zweiten Stufe.
- 3fehltKeine gleich wirksame Abwehr auf niedrigerer StufeEine Pflicht zu Warnhinweisen wäre eine gleich wirksame Berufsausübungsregelung und damit ein Mittel der niedrigeren Stufe.
Typische Fehler
FehlerAuch für subjektive Zulassungsvoraussetzungen wird stets die Abwehr schwerer Gefahren für ein überragend wichtiges Gemeinschaftsgut verlangt.
RichtigBei subjektiven Zulassungsvoraussetzungen ist der Schutz wichtiger Gemeinschaftsgüter erforderlich; der gesteigerte Gefahrenmaßstab gilt für objektive Zulassungsvoraussetzungen.
FehlerEin Eingriff auf höherer Stufe wird allein wegen des Gewichts des geschützten Gemeinschaftsguts für gerechtfertigt gehalten.
RichtigZusätzlich ist zu prüfen, ob die Gefahr durch Mittel einer niedrigeren Stufe wirksam abgewehrt werden kann.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema