Definitionen
Eine billige Entschädigung ist eine nach richterlichem Ermessen unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls festgesetzte angemessene Ausgleichsleistung in Geld für einen immateriellen Schaden. Sie setzt nach § 253 Abs. 2 BGB eine Schadensersatzpflicht wegen einer Körper- oder Gesundheitsverletzung oder einer Verletzung der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung voraus. Sie dient dem Ausgleich der immateriellen Beeinträchtigungen und der Genugtuung des Geschädigten.
Die Höhe richtet sich nach dem gesamten Einzelfall, nicht nach einem starren Verletzungstarif.
Fälle zum Selbstprüfen
Entscheide zuerst selbst. Danach siehst du die Prüfung an der Definition.
1Jonas schlägt Lea absichtlich ins Gesicht und bricht ihr den Kiefer. 2Lea hat sechs Wochen starke Schmerzen und kann in dieser Zeit nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. 3Das Gericht bemisst eine Geldzahlung anhand der Dauer und Stärke der Schmerzen, der Einschränkungen im Alltag und des absichtlichen Vorgehens. 4Die Zahlung soll Leas Leiden ausgleichen und ihr Anerkennung für das erlittene Unrecht verschaffen.
Trifft „Billige Entschädigung“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltSchadensersatzpflicht wegen einer erfassten RechtsgutsverletzungJonas ist wegen der vorsätzlich verursachten Körperverletzung zum Schadensersatz verpflichtet.
- 2erfülltImmaterieller SchadenDie Schmerzen und die Einschränkungen der Lebensführung sind immaterielle Beeinträchtigungen.
- 3erfülltAngemessene Geldleistung nach umfassender EinzelfallwürdigungDas Gericht würdigt die konkreten Verletzungsfolgen und die Umstände der Tat gemeinsam.
- 4erfülltAusgleichs- und GenugtuungsfunktionDie Zahlung soll sowohl die Beeinträchtigungen ausgleichen als auch Genugtuung vermitteln.
1Jonas schlägt Lea absichtlich ins Gesicht und bricht ihr den Kiefer. 2Lea hat sechs Wochen starke Schmerzen und kann in dieser Zeit nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Das Gericht legt die Geldzahlung ausschließlich anhand eines festen Betrags je Schmerztag fest und lässt die Schmerzstärke, die Einschränkungen im Alltag und das absichtliche Vorgehen außer Betracht. 4Die Zahlung soll Leas Leiden ausgleichen und ihr Anerkennung für das erlittene Unrecht verschaffen.
Trifft „Billige Entschädigung“ hier zu?
An der Definition geprüft
- 1erfülltSchadensersatzpflicht wegen einer erfassten RechtsgutsverletzungJonas ist wegen der vorsätzlich verursachten Körperverletzung zum Schadensersatz verpflichtet.
- 2erfülltImmaterieller SchadenDie Schmerzen und die Einschränkungen der Lebensführung sind immaterielle Beeinträchtigungen.
- 3fehltAngemessene Geldleistung nach umfassender EinzelfallwürdigungDie ausschließlich tagessatzbezogene Berechnung lässt maßgebliche Umstände außer Betracht und genügt deshalb nicht für eine angemessene Bemessung.
- 4erfülltAusgleichs- und GenugtuungsfunktionBeide Zwecke werden verfolgt, auch wenn die konkrete Bemessungsmethode fehlerhaft ist.
Typische Fehler
FehlerSchwer bezifferbare Sachschäden werden als immaterielle Schäden behandelt und über § 253 Abs. 2 BGB ersetzt.
RichtigEin Sachschaden bleibt ein Vermögensschaden, auch wenn seine Höhe schwer zu ermitteln ist; § 253 Abs. 2 BGB betrifft immaterielle Schäden.
FehlerBei der Bemessung wird ausschließlich der Ausgleich der Beeinträchtigungen berücksichtigt und die Genugtuungsfunktion vollständig ausgeblendet.
RichtigDie Entschädigung hat neben der Ausgleichsfunktion auch eine Genugtuungsfunktion.
In diesen Prüfungsschemata geprüft
1 Schema